2016-10-17

Lebenshilfe

LebenshilfeDie Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. wurde im Jahr 1958 als gemeinnütziger Verein von betroffenen Eltern und Fachleuten gegründet und ist eine Selbsthilfevereinigung als Eltern-, Fach- und Trägerverband. Insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Familien. Menschen mit Behinderung werden von dem Verein begleitet, um am Leben in der Gesellschaft gleichberechtigt teilnehmen zu können. Die solidarisch handelnde Selbsthilfeorganisation unterstützt mit Angeboten in kompetenter Beratung und Betreuung, mit zukunftsweisenden Projekten und differenzierten Einrichtungen. 16 Landesverbände und 509 Orts- und Kreisvereinigungen sind als Mitgliedsorganisationen in der Bundesvereinigung angeschlossen. Jede ist rechtlich eigenständig. Des Weiteren gibt es gemäß der Satzung 125 kooperative und ordentliche Mitgliedsorganisationen. Damit gehören rund 130.000 Menschen der Mitgliedsvereinigungen der Bundesvereinigung Lebenshilfe an.

Grundziele

Das Ziel ist, behinderte Mitmenschen bei deren Lebensbewältigung intensiv zu unterstützen. Die Aktivitäten der Lebenshilfe wollen Menschen mit Behinderung durch individuelle bedarfsgerechte Hilfe zu einem selbstständigen und weithin normalen Leben verhelfen. Dazu werden Hilfen und Dienstleistungen angeboten und vertreten das Interesse von behinderten Menschen in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene. In Deutschland sollen behinderte Menschen durch die Lebenshilfe in den Menschenrechten geschützt werden. Die Unterstützung liegt hier in einer 24-Stunden-Betreuung. Diese wird durch einen hölzernen Bollerwagen genauso unterstützt wie durch die reine Anwesenheit der Pflegepersonen.

Struktur

In den letzten zehn Jahren sind rechtlich selbstständige Ortsvereine der Lebenshilfe gegründet worden. Diese Gründungen entstanden oft durch die Initiative von Eltern mit behinderten Kindern. Selbst die Gründung der Lebenshilfe ist auf den Einsatz von Eltern mit behinderten Kindern zurückzuführen. Träger der Lebenshilfeeinrichtungen sind oft Ortsvereine vor Ort. Das können Wohnstätten, Frühförderstellen, Werkstätten sowie Einrichtungen für Bildung und Erholung sein, wie beispielsweise das Haus Hammerstein. Seit einigen Jahren hat sich das ambulant betreute Wohnen zu den Angeboten angeschlossen. Die Lebenshilfe erschließt zunehmend das Gebiet an Möglichkeiten zur Integration von Menschen mit Behinderung in das allgemeine Gesellschafts- und Arbeitsleben. In den einzelnen Bundesländern bestehen Landesverbände als übergeordnete Strukturen. Der Sitz „Bundeszentrale der Lebenshilfe“ liegt in Marburg. Angegliedert an die Zentrale sind des Weiteren ein eigener Verlag (Lebenshilfe-Verlag) und ein Institut für Fortbildung. Die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt hat seit September 2012 hierbei den Bundesvorsitz.

Geschichte

Die Lebenshilfe wurde am 23. November 1958 in Marburg von 15 Fachleuten und Eltern als Geistig behindertes Kind e. V. gegründet. Die Initiative dazu ergriff der niederländische Verbindungsoffizier Tom Mutters. Im Auftrag des UN-Hochkommissars kümmerte sich Mutters um Flüchtlinge im Philipps-Hospital in Goddelau, um schwer geistig behinderte Kinder verschleppter Personen, Flüchtlingsfamilien und Überlebenden aus dem KZ zu helfen. Gezählt wurden zehn Jahre später bereits 300 Orts- und Kreisverbände und 38.000 Mitglieder für den Verein. Allein 18.000 Menschen in Schulen, Sonderkindergärten und Werkstätten wurden von dem Verein betreut. Ab dieser Zeit wurden von der Lebenshilfe Wohneinrichtungen und Wohnplätze angeboten. Die Zahl der Orts- und Kreisvereinigungen stieg bis zur Wiedervereinigung auf 400 Verbände an. 1988 konnte die Lebenshilfe 100.000 Mitglieder verzeichnen. Eine eigene Lebenshilfe wurde zunächst 1990 in der DDR gegründet. Im gleichen Jahr erfolgte mit der Bundesvereinigung ein Zusammenschluss. 1995 wurde das neue Lebenshilfelogo eingeführt und im Folgejahr änderte sich der Name. Der Verband nannte sich damit Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. Der Ausdruck "geistige Behinderung" geriet dabei vielerorts in Kritik und insbesondere die Ortsverbände der Lebenshilfe verzichteten zunehmend auf das Wort "geistige" im Namen. Im Jahr 2008 waren es bereits 527 Orts- und Kreisvereinigungen und die Lebenshilfe bestand aus über 135.000 Mitglieder. Das 50-jährige Bestehen der Lebenshilfe Deutschland wurde mit reichhaltigen Aktionen gefeiert. Zu diesem Geschehen erschien die „Chronik zu 50 Jahren Lebenshilfe“. In der Kulturbrauerei Berlin wurde im Sommer das Lebenshilfefest blaues Wunder gefeiert, zu dem Angela Merkel erschien. Die Deutsche Post AG brachte Sonderbriefmarke heraus. Bei der Lebenshilfe entstand ein neues Grundsatzprogramm in Diskussion.

Verlag

Der Lebenshilfeverlag Marburg ist für die Themen „Menschen mit geistiger Behinderung“ und „Behindertenhilfe“ ein Fachverlag in deutscher Sprache. Der Verlag publiziert neben Fachbüchern drei Zeitschriften:

  • Die Lebenshilfe Zeitung (LHZ) als verbandliche Informationsplattform der Bundesvereinigung. Diese wendet sich an Eltern, Angehörige, ehrenamtliche und professionell Engagierte.
  • Die TEILHABE ist eine verbandsübergreifende Fachzeitschrift und für Fachkräfte in der Behindertenhilfe sowie an Interessenten im Hochschulbereich gerichtet. Seit 2009 die Nachfolgerin der Zeitschrift Geistige Behinderung (ZGB).
  • Der Rechtsdienst der Lebenshilfe ist für ehrenamtliche und hauptamtliche Fachkräfte in der Behindertenhilfe, in Behörden für Jurist(inn)en und Mitarbeiter(innen). Die Zeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen in der Sozialpolitik und Rechtsprechung für Menschen mit Behinderung.

Fußball-Weltmeisterschaft 2006

Als Partner des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) war die Lebenshilfe Deutschland für die Planung und Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2006 der Menschen mit Behinderung mitverantwortlich. Diese fand zum ersten Mal in Deutschland statt und wurde durch den Landesverband Nordrhein-Westfalen und der Bundesvereinigung vertreten. Willi Breuer, als Trainer der deutschen Nationalmannschaft, führte das Interesse der Bevölkerung an der Weltmeisterschaft hauptsächlich auf den Einsatz des Vereins zurück. Überwältigende 260.000 bis 300.000 Zuschauer waren in den Stadien anwesend. Der Erfolg dafür war die Lebenshilfe. Das waren mehr Zuschauer als bei allen vier vorherigen Weltmeisterschaften zusammen.

Begrifflichkeiten

Der Ausdruck „geistige Behinderung“ wird zunehmend kritisiert, da er häufig als diskriminierend empfunden wird. Von einigen Ortsverbänden der Lebenshilfe wurde aufgrund ihrer Öffnung für andere Behindertenrichtungen der Begriff „geistige“ aus ihrem Namen gestrichen. Einige andere blieben bei der vorherigen Bezeichnung. Eine der Bundesvereinigung Lebenshilfe brachte in der Informationsbroschüre (gemeinsam kommen wir weiter - Lebenshilfe auf dem Weg in die Zukunft / Dezember 2005) heraus, dass geistige Behinderung kein zukünftiges Wort sei und nur so lange zu verwenden ist, bis ein geeigneterer Begriff gefunden wird. Die Lebenshilfe Österreich entschloss sich auf Bundesebene den Namen „Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung“ zu verwenden und verzichtet vollständig auf die Benennung „geistiger“. Über Alternativen wurde 2005 nachgedacht, um eine neue Definition und Klassifikation für die Beschreibung „geistige" zu finden.

Kritik

Von Kritikern wurde bemängelt, dass durch die Doppelfunktion als Interessenvertreter und Dienstleister (diverse gGmbH) für behinderte Menschen ein Interessenkonflikt besteht. Interessenvertreter müssten in ihrer Funktion in der Lebenshilfe die Mitarbeiter in Werkstätten für behinderte Menschen für höhere Löhne unterstützen. Dadurch würden die Mitarbeiter finanziell unabhängiger von zusätzlicher Sozialhilfe oder Unterhaltszahlungen durch Angehörige. Allerdings besteht eine Forderungsablehnung der Betreiber solcher Werkstätten aus Kostengründen. Vor einiger Zeit ist die Lebenshilfe (Berlin) auch durch ihre Personalpolitik in die Kritik geraten. Diese wurde in einem Sammelwerk dokumentiert: Es werden Auseinandersetzungen beschrieben, die Anfang 2003 bei den Mitarbeitern drastische Gehaltskürzungen auslösten. Der Betriebsrat unternahm allerdings einiges, damit diese Gehaltskürzungen nicht zustande kamen. Anschließend war im Betrieb das Handeln aller Gewerkschafter gefragt, denn die Auseinandersetzungen endeten im Kampf um einen Tarifvertrag. Am 23. April 2012 wurde dann von den Arbeitgebern und Gewerkschaften während einer Betriebsversammlung ein Tarifvertrag unterschrieben. Diese Veranstaltung endete für alle Beteiligten nach einer neun Jahre dauernden Auseinandersetzung harmonisch.